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Männerpolitische Betrachtungen zur neuen Regierung in Österreich – Teil 2

Posted by Clochard - 5. Februar 2018

Es gibt eine Strömung innerhalb der Männerrechtsbewegung die denkt, wenn nur eine konservative bzw. rechtslastige Regierung an der Macht sei, würde sich alles zum Besseren wenden, würde dem Feminismus und der ungerechtfertigten und unbegründeten Frauenbevorzugung Einhalt geboten und alles würde sich irgendwie wieder in geordneten Bahnen bewegen.

Ich persönlich sehe auch in der rechten/konservativen Ecke eine Ideologie, mit der ich wenig anfangen kann.

Ich stehe Ideologien grundsätzlich äußerst kritisch gegenüber. Als ein Mindset von Wertvorstellungen sind Ideologien anfällig für alles Mögliche, weil Werte sehr volatil sind. Ideologien tendieren auch sehr zur Exlusivität, d.h. andere Ideologien sollen ausgeschlossen werden. Für mich bedeutet Ideologie, dass mir jemand anderer das Denken abnimmt. Das geht gar nicht !

Im ersten Artikel dieser Reihe, in dem ich mir das Regierungsprogramm der ÖVP/FPÖ Koalition vorgenommen habe, hatte ich berechtigte Bedenken geäußert, dass es mit dem Ende der Frauenbevorzugung wohl nicht so werden wird, wie sich das manche in der Männerrechtsbewegung das vorstellen.

Die neue Regierung arbeitet, und gestern wurde eine Reform des Strafrechts angekündigt, wie mehrere Zeitungen berichten (die Presse; Salzburg24; WienerZeitung; Kurier; Salzburger Nachrichten; heute; die Kronenzeitung; Tiroler Tageszeitung; NÖN ; der standard).

Die wichtigsten Passage aus männerpolitischer Sicht :

Die Regierung geht jetzt die angekündigte Reform des Strafrechts an. Dafür verantwortlich sein wird Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP), die im Auftrag der Regierungsspitze eine Task Force einsetzen soll. Die geplanten Änderungen sollen höhere Mindeststrafen bei Sexualdelikten und bei Gewalt gegen Frauen und Kinder bringen.

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) meint dazu: “Es gibt Urteile, wo die Menschen nur noch den Kopf schütteln.” Der ÖVP-Chef versichert nun, härter gegen “abscheuliche Vergehen” wie sexuelle und körperliche Gewalt an Frauen und Kindern vorzugehen. FPÖ-Obmann und Vizekanzler Heinz-Christian Strache ergänzt, dass jemand, der sich an Frauen vergehe, die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen müsse.

Die meisten raschelnden „Qualitäten“ im Blätterwald, die wir größtenteils mit staatlicher, steuerfinanzierter Presseförderung durchfüttern, haben ganz einfach den APA-Artikel kopiert. Falls im Übrigen irgendjemand denkt, die linke Hälfte des Spektrums sei da irgendwie besser oder gerechter aufgestellt, den kann ich schnell eines Besseren belehren :

Die SPÖ ist offen für härtere Strafen bei Sexualdelikten. Das macht Justizsprecher Hannes Jarolim heute gegenüber dem SPÖ-Pressedienst klar. „Für die SPÖ stand immer fest: Bei sexueller Gewalt, bei Gewalt gegen Frauen und Kindern und gerade bei Übergriffen in der Familie müssen wir hart durchgreifen“, erklärte Jarolim.

Quelle: APA-OTS

Was ist nun aus männerpolitischer Sicht dazu zu sagen ?

  1. Die Mehrzahl der Gewaltopfer sind männlich

    In allen Kategorien von Gewalt sind die Opfer in der Mehrzahl Männer. Die einzige Ausnahme ist dabei sexuelle Gewalt, wo Frauen die Mehrheit stellen. Man würde von einer klar denkenden Regierung erwarten, dass sie dort ansetzt, wo das größte Problem liegt. Und allen beschränkten Vollkoffern, die jetzt mit dem blöden Standardsatz : „Aber die meisten Täter sind auch männlich“ daherkommen sei gesagt : Na und ? Wollen wir nach dieser bescheuerten Logik eine vergewaltigte Lesbe nicht schützen, weil der Täter weiblich war ?

  2. auch Männer werden Opfer von sexueller Gewalt

    Auch wenn vorwiegend Frauen die Opfer sexueller Gewalt sind, so ist doch nicht einzusehen, warum gerade Frauen in dieser Hinsicht besonders geschützt werden sollen. Ist eine Gruppenvergewaltigung für einen 16 jährigen Burschen denn nicht extrem traumatisierend ? Gab es nicht genug Burschen, die von „Würdenträgern“ der katholischen Kirche systematisch missbraucht wurden ? Gibt es nicht genügend männliche Gefängnisinsassen die Höllenqualen durchmachen ? Was genau ist es, das diese Verbrechen weniger strafwürdig erscheinen lässt ?

  3. wenn Kinder Opfer werden

    Das ist ein Punkt, der bei mir offene Türen einrennt. Kinder sind die Schwächsten in unserer Gesellschaft und in meiner persönlichen Werteskala noch vor allen anderen Mitgliedern der Gesellschaft besonders schützenswert. Was ich allerdings befürchte ist, dass wieder nur weibliche Kinder von der Justiz und der Gesellschaft als besonders schutzbedürftig angesehen werden. Wie ich auf so etwas komme ? Nun das Zurücklassen der Burschen, die in den Schulen für gleiche Leistung nachweislich schlechtere Noten bekommen interessiert niemanden, wenn nicht genug  Studentinnen die Medizin-Aufnahmeprüfung an der Uni schaffen wird sofort die Aufnahmeprüfung geändert, wenn männlichen Säuglingen ohne Anästhesie an den Genitalien herumgeschnippelt wird, wird das mit Religionsfreiheit relativiert, beim Schnippeln an weiblichen Genitalien gibt es einen Aufschrei, wenn BokoHaram Jungen dazu zwingt die abgeschnittenen Penisse ihrer Väter zu essen und sie danach umbringt ist das Zeitungen nichtmal eine Meldung wert, während die blosse Verschleppung von Mädchen und Frauen zu einem weltweiten #saveourgirls führt.

  4. Es ist menschenrechtswidrig

    Österreich ist, obwohl nach eigenem Selbstverständnis ein internationaler Musterschüler, bei der Unterzeichnung, Ratifizierung und Umsetzung von Menschenrechten äußerst nachlässig. Es gibt in Österreich keinen eigenen Grundrechtskatalog im Verfassungsrang, sondern ein Stückwerk aus verschiedensten Gesetzen und internationalen Verträgen mit einem undurchsichtigen Dschungel an zuständigen Behörden für die Grundrechtsdurchsetzung. Obwohl in den meisten Rechtsordnungen ein Recht auf körperliche Unversehrtheit im Rang eines Menschenrechts besteht, ist das in Österreich nicht der Fall. Es gibt einen Verfassungskonvent, der auch eine Implementierung von Grundrechtsgarantien in Österreich vorsieht. Der Entwurf zu den sozialen Grundrechten sieht vor, dass der Staat die körperliche Unversehrtheit auch im Verkehr zwischen Privaten zu garantieren hat. (siehe Erläuterungen zu Punkt d, Ziffer 6). In Verbindung mit dem Gleichheitsgrundsatz gibt es keine wie immer geartete Rechtfertigung Gewalt an Frauen härter zu bestrafen als Gewalt an Männern. Die Kategorie „Geschlecht“ ist hierfür einfach nicht ausreichend. Und wer jetzt nur Stereotype im Kopf hat der möge sich einfach nur die Frage stellen, ob folgende Aussage zutreffend ist :

SIE körperlich anzugreifen………………

SONY DSC

Caroline Wang, Vizelandesmeisterin im Kickboxen, Staatsmeisterin im Armdrücken, Vize-Weltmeisterin im Bodybuilding

 

ist ein abscheulicheres Verbrechen als IHN anzugreifen :

hospice-1788467_640

behinderter, alter Mann im Rollstuhl

 

Na, klingelts ?

 

Abschliessen will ich den heutigen Beitrag mit einem seltsamen Paradoxon :

Die Rechten diskriminieren Männer, weil sie Frauen für inferior halten, die Linken diskriminieren Männer, weil sie Männer für inferior halten.

Wer entdeckt den Fehler ?

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Eine Antwort to “Männerpolitische Betrachtungen zur neuen Regierung in Österreich – Teil 2”

  1. […] Männerpolitische Betrachtungen zur neuen Regierung in Österreich – Teil 2 […]

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