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Der Empathy-Gap

Posted by Clochard - 4. Februar 2018

Viele Männerrechtler fragen sich oft, warum aus den Reihen der Bevölkerung so wenig Aufmerksamkeit und Mitgefühl für berechtigte männliche Anliegen kommt. Insbesondere verwundert es viele, dass gerade von Frauen, denen so viel Empathie und Einfühlungsvermögen nachgesagt wird, nicht die geringste Anteilnahme für spezifisch männliche Problemstellungen und Anliegen artikuliert wird – und mögen diese noch so gravierend sein.

Die Antwort darauf ist vielschichtig, aber auch hier kann uns die Wissenschaft einige Erklärungen liefern.

        1. Own Gender Preference

          Diese Studie beschäftigt sich mit „Own Gender Preference“ also darüber, ob angehörige eines Geschlechtes ihr eigenes Geschlecht bevorzugen bzw. für das bessere, überlegenere halten. Aus dem Abstract der Studie

          The development course of implicit and explicit gender attitudes between the ages of 5 and adulthood is investigated. Findings
          demonstrate that implicit and explicit own-gender preferences emerge early in both boys and girls, but implicit own-gender
          preferences are stronger in young girls than boys. In addition, female participants’attitudes remain largely stable overdevelopment, whereas male participants’implicit and explicit attitudes show an age-related shift towards increasing femalepositivity. Gender attitudes are an anomaly in that social evaluations dissociate from social status, with both male and female participants tending to evaluate female more positively than male.

          Das bedeutet ab dem Alter von 5 Jahren bevorzugen Mädchen ihr eigenes Geschlecht stärker als Jungen deren eigenes Geschlecht, mit fortschreitendem Alter verstärkt sich dieser Bias noch leicht, während er sich in der Adoleszenz bei Jungen umdreht, und diese als Männer Frauen für das bessere Geschlecht halten und sie diese bevorzugen. Interessanterweise scheint das aber keine gottgegebene Tatsache zu sein, nach Baumeister ist es einmal anders gewesen (wobei ich hier keine Quellenangabe gefunden habe) :

          I said that today most people hold more favorable stereotypes of women than men. It was not always thus. Up until about the 1960s, psychology (like society) tended to see men as the norm and women as the slightly inferior version. During the 1970s, there was a brief period of saying there were no real differences, just stereotypes. Only since about 1980 has the dominant view been that women are better and men are the inferior version.

        2. Frauen haben weniger Mitgefühl für „Feinde“ als Männer

          Diese Studie untersucht den Einfluss der persönlichen Beziehung auf das Einfühlungsvermögen und das Mitgefühl von Frauen und Männern. Dies ist insbesondere interessant, als ja, wie in der Einleitung schon angedeutet Frauen gerne nachgesagt wird das empathischere, einfühlsamere Geschlecht zu sein. Die Studie untersucht demnach wie es um die Empathie bei beiden Geschlechtern bestellt ist, wenn eine bestimmte Situation die Versuchsperson selbst betrifft, die Situation einen Freund betrifft oder die Situation einen Feind betrifft. Aus der Studie :

          Analyses of these scores did not show an overall gender difference in empathy, but revealed that women’s level of empathy is more affected by the relationship they have with the other person; they showed somewhat greater empathy levels toward friends, but lower levels towards enemies. Although this result has not been reported before, it is congruent with results from studies of helping behavior.
          In a meta-analysis of studies measuring people’s willingness to help
          in real-life situations Eagly and Crowly (1986) found that men were actually significantly more likely to provide aid than women. However, they pointed out
          that the vast majority of these studies involved providing help to a stranger, which women may find somewhat threatening. Some more recent studies have found no gender difference in less threatening situations (e.g. Reysen & Ganz, 2006) or a tendency for women to give more help when the person receiving the help is a friend (George, Carroll, Kersnick & Calderon, 1998).

          Nach der Studie zeigen also Frauen für eine Person, die sie als „Feind“ empfinden deutlich weniger Empathie als Männer unter gleichen Bedingungen. Interessanterweise wurden in der Studie den jeweiligen Teilnehmern Freunde und Feinde ihres jeweils eigenen Geschlechts vorgesetzt. Man darf natürlich spekulieren, ob der GAP noch größer gewesen wäre, wenn die „Feinde“ der Frauen männlich dargestellt worden wären. Nachdem der Feminismus seit den 70-jahren relativ erfolgreich die gesamte männliche Hälfte der Menschheit als Feindbild der Frauen aufbaut braucht man sich schon alleine aufgrund der Ergebnisse dieser Studie nicht zu wundern, warum vergleichsweise so wenige Frauen Mitgefühl für Männer zeigen.

        3. moralische-ethische Entscheidungsgrundlagen

          Diese Untersuchung wie auch mehrere Studien belegen, dass sich Männer und Frauen bei moralisch-ethischen Entscheidungen völlig anders verhalten. Hier eine Aufstellung aus der ersten Untersuchung :

          Bei der Lösung ethischer Probleme tendieren Frauen dazu zu : Männer tendieren bei der Lösung ethischer Probleme dagegen eher dazu :
          hauptsächlich auf Gefühle Rücksicht zu nehmen
          hauptsächlich auf Regeln Rücksicht zu nehmen
          zu Fragen : Wer wird verletzt ?
          zu Fragen : Wer ist im Recht ?
          unvoreingenommen zu entscheiden
          Entschlusskraft zu schätzen
          den Kompromiss zu suchen
          eindeutige Enscheidungen zu treffen
          Lösungen zu suchen, die keinen Beteiligten „verletzen“
          Lösungen zu suchen, die objektiv fair sind
          sich auf Kommunikation zu verlassen
          sich auf Regeln und Gesetze zu verlassen
           an eine kontextbezogenen Relativismus zu glauben
          glauben an Objektivität und Unparteilichkeit
          sich von Gefühlen leiten zu lassen
          sich von Vernunft und Logik leiten zu lassen
          sich an die Regeln von Autoritäten nicht zu halten
           sich and die Regeln von Autoritäten zu halten

          Geradezu legendär ist hier der Meinungsstreit zwischen Lawrence Kohlberg und seiner SChülerin Carol Gilligan. Kohlberg entwickelte ein Stufenmodell moralisch-ethischer Entscheidungen, wobei er die weibliche Seite der persönlichen Anteilnahme bei Entscheidung als moralisch nicht so hochstehend einordnete wie die männliche Tendenz zu objektiver Fairness und Gerechtigkeit.
          Wie nicht anders zu erwarten nahm seine feministische Schülerin daran Anstoß und entwickelte ein Gegenmodell.
          Unterm Strich bleibt jedoch für das heutige Thema folgende Conclusio : Frauen sind offenbar bei moralisch-ethischen Entscheidungen im Schnitt weniger in der Lage objektiven Fairness- und Gerechtigkeitskriterien Rechnung zu tragen.

        4. Zwischenergebnis :

          Wir kommen nun zu einem ersten Fazit. Die Fragestellung lautete, warum in der Bevölkerung so wenig Empathie für teilweise sehr drastische Probleme des männlichen Teils der Bevölkerung vorhanden ist. Die erste Studie ergibt, dass jener Teil der Bevölkerung, der bereits im Erwachsenenleben angekommen ist eine starke Präferenz zur besseren Beurteilung und Bevorzugung von Frauen per se aufweist. Die zweite Studie führt uns vor Augen, dass insbesondere Frauen eine besondere Beziehung zum Mitmenschen benötigen, um ihre Empathie ausleben zu können, sie vermögen das bei einer Person die „fremd“ oder ein „Feind“ ist sehr viel weniger, als das Männer können.
          Die letzte Studie führt uns vor Augen, wie Männer und Frauen zu ihren jeweiligen Entscheidungen finden, wenn sie vor eine moralisch-ethisches Problem gestellt werden. Es zeigt sich, dass für Frauen wieder die persönliche Anteilnahme eine herausragende Rolle spielt während sich Männer eher an objektivierbaren Gerechtigkeitskriterien orientieren.
          Im Ergebnis heißt das, eine einzelne Frau hält in diesen Tagen ihr Geschlecht für das Bessere und ihr näher stehende, in Alltagshandlungen wird ihr Geschlecht daher von ihr bevorzugt (Freund). Gleichzeitig wird ihr Geschlecht aber seit Urzeiten von den Männern (=Feind) „unterdrückt“. Dadurch wird ihre Tendenz verstärkt mit Frauen mehr mitzufühlen als mit Männern. Da ihre moralischen Entscheidungsgrundlagen objektive Gerechtigkeit nicht vorsehen, wird sie sich daher immer auf die Seite von Frauen stellen, egal wie objektiv ungerecht das im Endergebnis auch sein mag. Es gibt aber noch weitere Punkte, die die Stimmung in der Bevölkerung beeinflussen, nachdem wir uns bis jetzt hauptsächlich mit Gründen auf der Seite von Frauen befasst haben. Wie sieht es da mit Männern aus ?

        5. Eine Tochter zu haben, macht männliche Politiker mehr offen für einseitige Frauenbevorzugung, wie mehrere Studien belegen.

        6. Unsere Gesellschaft, aber insbesondere auch statushohe Männer profitieren vom Faktum des „Disposable Male“.

          Unsere Geschichte und Zivilisation ist gepflastert mit Männerleichen, seien es immens gefährliche Arbeiten, Kriege, waghalsige Unternehmungen u.v.m Ein Rütteln am Faktum des minderwertigen Männerlebens, eine höhere Wertschätzung männlicher Gesundheit und männlichen Lebens könnte zu großen Umstürzen in unserem Gesellschaftssystem führen.

        7. Der Schwelleneffekt

          Die Besonderheit, dass Frauen hypergam sind führt im Vergleich zu Männern zu einem bemerkenswertem Effekt. Frauen interessieren sich hauptsächlich für Männer, die mindestens ihrem gesellschaftlichem Status entsprechen, besser aber höher. Das führt zu einem Schwelleneffekt, der bewirkt, dass Frauen solche Männer gar nicht wahrnehmen, die gesellschaftlich unter ihnen stehen, insbesondere, weil diese Männer als „Heiratsmaterial“ sowieso nicht in Betracht kommen. Wir alle kennen den Satz, wonach die Energie der Aufmerksamkeit folgt. Frauen orientieren sich mit ihrem Blick immer nach oben, da Frauen aber Bildungs- und Einkommenmäßig stark aufgeholt haben, wird der Anteil jener Männer immer größer, der ihrer Aufmerksamkeit entgeht.

        8. Fazit

          In Anbetracht dieser Aufstellung darf es keinen Menschen wundern, warum spezifisch männliche Problemlagen weder Aufmerksamkeit noch Anteilnahme bekommen. Welche Strategien dazu führen könnten, diese Schieflage zu beheben, wird Gegenstand eines anderen Artikels in diesem Blog werden.

       

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4 Antworten to “Der Empathy-Gap”

  1. Siggi said

    Schön zusammengetragen.

    Die meisten dieser Effekte sind so gelagert, dass sie nicht zu verändern sind. Diese Prämisse muss man aktzeptieren, wenn man mehr Gerechtigkeit erreichen möchte.

    Es bringt nichts auf die Empathie der Gesellschaft zu setzen um für Männerrechte zu kämpfen.

    • Clochard said

      Hallo Sigi,
      ja, teilweise gebe ich dir Recht. Nichtsdestotrotz sehe ich zumindest auf Seiten der Mehrheit der Männer in der Gesellschaft einiges an Potenzial. Wie im Artikel dargelegt sehe ich ebenso wie du bei Frauen im Schnitt wenig Grund zur Hoffnung. Du erreichst sie nicht mit logischer Argumentation, du erreichst sie nicht mit Gerechtigkeitserwägungen, du erreichst sie nicht mit Appellen ans Mitgefühl. Aber bei Männern sehe ich da mehr Möglichkeiten. Die „einfachen“ Männer sind zunehmend Leidtragende des Staatsfeminismus egal ob es um Scheidung und Obsorge, Frauenquoten, Pensionsantrittsalter, Wissenschaft, Kunst, Falschbeschuldigungen, Wehrpflicht, Bildungsgerechtigkeit u.v.m geht. Die „oberen“ Männer können bis jetzt auf bedingungslose Gefolgschaft der einfachen Männer bauen. Das hält sie an der Macht. Diese bedingungslose Gefolgschaft schwindet. Ich sehe Licht am Ende des Tunnels………..

  2. […] Der Empathy-Gap […]

  3. […] sehr langen Blogbeitrag mit der Männerabwertung in unserer Gesellschaft. Ich habe dazu vor Kurzem aus einer anderen Perspektive […]

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