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Kritik zum Standard-Artikel : Gewalt gegen Frauen: Licht in die dunklen Ecken der Debatte

Posted by Clochard - 7. Februar 2013

Die deutsche Brüderle-Debatte hat auch in Österreich ein paar Spuren hinterlassen. Die Soziologin Laura Wiesböck fühlte sich bemüßigt im Standard einen Artikel mit dem Titel

Gewalt gegen Frauen: Licht in die dunklen Ecken der Debatte

zu verfassen und veröffentlichen. Wiesböck selbst arbeitet an der Universität Wien am Institut für Soziologie, ist also Wissenschaftler. An einen Wissenschaftler lege ich natürlich höhere Maßstäbe an als an eine nichtakademische Vergleichsperson und unter dieser Prämisse möchte ich den Artikel auch kurz besprechen.

In der Unterüberschrift heißt es :

Die Belästigung von Frauen ist normaler Teil der österreichischen Gesellschaft geworden. Die kulturelle Definition von Männlichkeit muss hinterfragt werden – da gibt es allerdings noch sehr viel zu tun

Wir werden sehen, ob für die aufgestellte Behauptung noch ein Beweis vorgebracht wird.
Es geht weiter mit :

Nun reden wir also über Sexismus. Nicht einfach so, weil es eigentlich klug wäre. Es brauchte einen Funken in Form anzüglicher Aussagen eines deutschen Spitzenpolitikers, der das diskursive Feuer entfachte. Und dieses Feuer zeigte, dass die Glut darunter schon seit sehr langer Zeit lodert.

dgfqr
Tun wir das ? Reden wir über Sexismus ? Weiß die Autorin eigentlich, was Sexismus ist ?
Im Sinne meiner Wikipedia-Verweigerung

wikipedia-de

nehme ich bewußt die Erläuterung des Duden :

Vorstellung, nach der eines der beiden Geschlechter dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts

Nach dieser Definition kann das Verhalten Brüderles ja wohl keinesfalls als Sexismus gewertet werden. Oder meinte die Autorin vielleicht die mißglückte „Aufschrei“-Kampagne auf Twitter ? 60000 Tweets zu allem Möglichen und Umöglichen, eine kleine Teilmenge davon sich auch mit echtem Sexismus im Sinne der Definition befassend, die überwiegende Mehrheit allerdings am Thema vorbei. Um ehrlich zu sein ich verstehe den Absatz nicht wirklich. Aber weiter :

Die Belästigung von Frauen durch Männer ist ein normaler Teil der österreichischen Gesellschaft geworden. Das geht so weit, dass bei Wohnbau- und Stadtplanung „gendersensible“ Kriterien berücksichtigt werden. Ein gelungener Euphemismus für die architektonische Vermeidung dunkler Ecken und menschenleerer Gassen, in denen sich Frauen unsicher fühlen müssen.

Dunkle Ecken sind ja an sich nichts Schlimmes. Es ist vielmehr die offenbar unveränderbare Tatsache, dass Männer sie nutzen könnten, um Frauen gegenüber aufdringlich zu werden, die uns von der Errichtung neuer dunkler Ecken Abstand nehmen lässt.

Nun endlich bekommen wir die Begründung nachgeliefert warum die Autorin zu glauben scheint der Sexismus ist normaler Teil der öffentlichen Gesellschaft. Gleichzeitig, und der aufmerksame Leser wird dies bereits mitbekommen haben spricht die Autorin von Belästigung in einem Artikel über Sexismus. Jetzt kann man Belästigung für etwas Gutes oder Schlechtes halten, eines ist Belästigung im Sinne der Definition jedenfalls nicht, nämlich Sexismus. Die Autorin gibt hier eindeutig zu verstehen, daß sie hier einen Artikel über etwas schreibt, von dem sie als Wissenschaftlerin nicht einmal die Definition kennt, also ihren Untersuchungsgegenstand.

Ich komme an dieser Stelle nicht umhin einen Seitenhieb anzubringen : Ist sie eine Quotenwissenschaftlerin ? Ist das die Qualität von wissenschaftlicher Arbeit, die wir uns in Zukunft an durchquotierten Universitäten erwarten dürfen ? Die traurige Realität hat die rethorische Fragestellung bereits eingeholt, den etwas unwissenschaftlicheres als Gender-Studies läßt sich an österreichischen Universitäten kaum finden.

Aber die rethorische und kognitive Meisterleistung dieses Absatzes steht uns erst noch bevor. Die Errichtung derartiger „gendersensibler“ Architektur beruht auf den Forderungen von Feministinnen. Es bestand kein Anlaßfall und es gab kein Ansteigen kriminalstatistischer Eckdaten die diese Forderung untermauert hatten sondern die Behauptung wurde einfach aufgestellt und der Staat folgte. Dieselben Feminstinnen stellen sich jetzt hin und behaupten eine Zunahme der Belästigung aufgrund der Tatsache, daß „gendersensibel“ gebaut würde. Ein klassischer Zirkelschluß und ungefähr ebenso sinnvoll wie wenn jemand Autobahnen fordert und sich dann wundert, daß Autos darauf fahren.

Im Artikel geht es weiter mit :

Nun also der Aufschrei

Viele Frauen richten ihren Alltag nach der potenziellen Bedrohung durch Männer aus und ergreifen täglich Maßnahmen, um sich vor Übergriffen zu schützen. Es herrscht jedoch immer noch unzureichendes Bewusstsein und Interesse darüber, wie tiefgreifend die potenzielle Belästigung durch Männer das Leben von Freundinnen, Kolleginnen oder Familienmitgliedern beeinflusst.

Nun also der Aufschrei. Frauen schildern auf Social-Media-Kanälen Erfahrungen mit sexistischen Übergriffen und Äußerungen im Alltag. Immer wieder wird in Reaktionen auch auf die Verantwortung von Frauen und die Wichtigkeit ihrer Wehrhaftigkeit hingewiesen.

Es geht in der selben Tonart weiter, munter vermischt Wiesböck Bedrohung, Übergriffe und Belästigung, dabei wollte sie doch eigentlich über Sexismus reden. Bis hierher gelingt ihr das jedenfalls nicht. In der Welt Wiesböcks richten also viele Frauen ihren Alltag nach potentiellen Bedrohungen durch Männer aus. Ich will hier versuchen nicht zu polemisieren (obwohl die Versuchung groß ist) und mal ganz unverblümt fragen :
Woher hat sie diese Information ? Wieviele Frauen sind viele ? Gibt es dazu Statistiken und kann ich das Nachlesen ?

Und dann absolut auch mal in die andere Richtung nachgefragt. Denkt Wiesböck etwa Männer ergriffen keine Maßnahmen um sich vor potentiellen Bedrohungen zu schützen ? Auch als Mann geht man nicht gedankenlos in schmuddelige Gegenden, man versperrt sorgfältig Auto- und Eingangstüre, man vermeidet bekannte Schlägerkneipen und, auch das muß gesagt werden, vermeiden Männer immer öfter irgendwo mit Frauen alleine zu sein um nicht in einen fatalen Strudel einer Falschbeschuldigung gerissen werden zu können. Es gehört zum allgemeinen Lebensrisiko nicht jegliche Verantwortung für sein eigenes Wohlbefinden auf andere oder den Staat abwälzen zu können. Sie schreibt weiter :

In der Praxis sieht es jedoch oft nicht so einfach aus. Ein Beispiel: Im Oktober 2012 wurde einer Frau in der Grazer Innenstadt von einem Fremden an den Po gegriffen. Er näherte sich mit den Worten „Oh, ein knackiger Popo. Darf ich ihn angreifen?“ Die Frau verneinte, der Unbekannte machte es trotzdem. Nachdem sie ihm eine Ohrfeige verpasst hat, schlug er ihr gegen den Kopf. Sie erstattete Anzeige. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren mit der Begründung ein, dass keine geschlechtliche Handlung stattgefunden habe, da der Po kein Geschlechtsorgan sei.

Die Entscheidung über ihren eigenen Körper wurde ignoriert, der Mann missachtete die ihm gesetzten Grenzen und behielt dabei recht, obwohl es laut Auskunft der Polizei schon mehrfach Beschwerden gegen ihn wegen Belästigung gab. Mit diesem Urteil wurde ein klares Zeichen gesendet: Manche Formen von sexueller Belästigung werden offiziell nicht als solche wahrgenommen.

Der geschilderte Fall hat sich tatsächlich so zugetragen. Aus juristischer Sicht ist dazu zu sagen, daß das Strafrecht dazu dient die höchstwertigen Güter des Rechtsstaats unter Schutz zu stellen. Gleichzeitig ist das Strafrecht auch die schärste Waffe, die der Staat besitzt. Es hätte durchaus andere Bestimmungen des StGB gegeben mit denen die Klägerin obsiegen hätte können aber offenbar hatte sie einen schlechten Anwalt. Daher ist es durchaus so, daß der Täter nicht damit davongekommen wäre wenn sich die Klägerin nicht auf die sexuelle Belästigung versteift hätte und dafür fordert das Strafgesetzbuch nun einmal eine „geschlechtliche Handlung“. Wenn man hier die Schleuse öffnete kämen wir bald zu Tatbeständen wie blosses Anschauen („fühlte mich durch seine/ihre Blicke sexuell belästigt“) und mit einer unbedachten Bewegung in einem überfüllten Aufzug könnte man zu einem verurteilten Straftäter werden.
Weiter im Text :

Was fehlt, ist, Alltagssexismus als Form von Gewalt gegen Frauen in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Es ist an der Zeit, die Ursachen von Gewalt gegen Frauen zu diskutieren, statt über die Abmilderung möglicher Ausprägungen zu sprechen (z. B. Ausbau von Überwachung, Verschärfung des Strafausmaßes, Meiden von leeren U-Bahn-Wagons). Anstatt die Diskussion reaktiv zu führen, braucht es eine Debatte über die sexistischen Normen in einer männlich dominierten Kultur.

Auch hier muß ich wieder feststellen, daß die Autorin zwar offenbar keine Ahnung von der Sexismusfefiniton hat, das dafür aber konsequent durchhält. Wir lernen es sei an der Zeit die Ursachen von Gewalt gegen Frauen zu diskutieren und Fragen uns dabei gleichzeitig ob die inzwischen seit Jahrzehnten währende einseitige Betrachtung der Gewalt gegen Frauen an der Autorin spurlos vorübergegangen ist. Inbesondere ist hier auch hervorzuheben, daß das Ausblenden männlicher Gewalterfahrungen und die Zentrierung auf Gewalt gegen Frauen selbst höchstgradig sexistisch ist.
Der Artikel setzt fort mit :

Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist jedoch schwierig, da daraus häufig ein Abwehrverhalten, eine Betrachtung unter einer dichotomen und kompetitiven Linse „Frau gegen Mann“ oder ein stellvertretendes Schuldbewusstsein vonseiten vieler Männer entsteht. Ziel der Debatte wäre es jedoch, ein Verantwortungsbewusstsein hervorzurufen.

Es ist fast schon unfreiwillig komisch wenn die Autorin sich in diesem Teil über das Abwehrverhalten vonseiten vieler Männer wundert, während sie selbst im gleichen Artikel weiter oben noch lustig drauflospauschaliert.

Der Artikel endet schließlich mit :

Der Aufschrei zeigt: Sich des Ausmaßes des Problems einmal bewusst zu werden ist ein tiefgreifender und störender Prozess, dem sich nicht jeder stellen möchte. Leugnen und Abstreiten stellt für viele den harmloseren Weg dar. Oft ist es auch schlicht einfacher, anderen sexistischen Männern stillschweigend zuzusehen, als sich dagegen auszusprechen.

Es ist geradezu zynisch, dass Männer, die sich offen gegen Sexismus bekennen, oft als Weicheier oder humorlos bezeichnet werden, wenn diese eigentlich mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit aufweisen als jene, die nichts sagen, Dieses Image muss sich umkehren. Wir müssen darüber sprechen, wie Männlichkeit heute kulturell definiert und repräsentiert wird. Wenn es nach wie vor als Ausdruck einer akzeptablen Verhaltensweise gilt, der Aushilfskellnerin im Teenageralter im Vorbeigehen den Po zu tätscheln (wohlgemerkt kein Geschlechtsorgan), dann gibt es noch viel zu tun. (Laura Wiesböck, DER STANDARD, 6.2.2013)

Zum letzten Absatz ist nicht besonders viel zu sagen. Die Autorin hat nicht verstanden, daß es  gesellschaftlich überhaupt nicht mehr akzeptabel ist jemand den Po zu tätscheln aber um ein Gleichnis zu verwenden :

Wenn mir heute die Brieftasche gestohlen wird darf ich mich nicht wundern wenn meine Klage wegen bewaffneten Raubüberfalls nicht zum Erfolg führt. Und wenn ich selbst keinerlei Anstalten mache den Dieb zu stellen oder anderweitig Aktionen zu setzen dann darf ich mich nicht wundern, wenn auch andere Zuseher nicht eingreifen, denn das wäre klassische Verantwortungsverschiebung.

5 Antworten to “Kritik zum Standard-Artikel : Gewalt gegen Frauen: Licht in die dunklen Ecken der Debatte”

  1. Laura Wiesböck said

    Lieber Autor “clochard”,

    Leider habe ich Ihren tatsächlichen Namen nicht ausfindig machen können, deshalb die anonyme Anrede unter Ihrem Usernamen. Es freut mich sehr zu sehen, dass Sie das Thema für wichtig halten und Zeit investiert haben, um meinen Beitrag zu kommentieren!
    Tatsächlich handelt es sich dabei um einen journalistischen Kommentar, also einen Meinungsbeitrag, nicht um einen “Artikel”, wie Sie es mehrfach in ihrem Blogeintrag bezeichnet haben. Dieser unterliegt, wie Sie sicherlich wissen, anderen Regeln als ein Artikel, geschweige denn ein wissenschaftlicher Artikel.

    Kurz zu den Rahmenbedingungen des Kommentars: Es gibt formale Vorgaben wie z.B. Umfang/word count, die dazu führen, dass manche Argumentationen verkürzt wirken. Ich stimme deshalb mit der Kritik überein, dass manche Darstellungen nicht deutlich genug ausgeführt worden sind. Auch sehe ich, dass klare Abgrenzungen von verschiedenen Formen von Belästigungen gegenüber Frauen nicht im Detail definiert worden sind. Dies ist im Rahmen des vorgegebenen Formats nicht möglich.

    Sachliche Kritik ist immer erwünscht und fördert auch die Qualität und Tiefe der Diskussion zu diesem sehr wichtigen Thema. Auf unsachliche und irrationale Kommentare, werde ich selbstverständlich nicht eingehen. Nun meine konkreten Stellungnahmen:

    “Nach dieser Definition kann das Verhalten Brüderles ja wohl keinesfalls als Sexismus gewertet werden.”
    Laura Himmelreich wurde nicht in ihrer beruflichen Rolle, als Journalistin, wahrgenommen, sondern als weiblicher Körper. Folgt man der von Ihnen vorgeschlagenen Definition, sehe ich eindeutig Sexismus im Fall Brüderle, insofern eine “Zurücksetzung der Frau aufgrund ihres Geschlechts” stattgefunden hat. Falls Sie sich nun fragen: warum Geschlecht, wenn es doch um den Körper geht, dann lautet meine Rückfrage: können Sie sich die Situation umgekehrt (als gängiges Bild) vorstellen (eine Politikerin sagt zu einem Journalisten “Sie können eine Lederhose auch ausfüllen”)?

    “Eines ist Belästigung im Sinne der Definition jedenfalls nicht, nämlich Sexismus. Die Autorin gibt hier eindeutig zu verstehen, daß sie hier einen Artikel über etwas schreibt, von dem sie als Wissenschaftlerin nicht einmal die Definition kennt, also ihren Untersuchungsgegenstand”.
    Natürlich ist Belästigung per se nicht Sexismus, mein Argument unterliegt auch einer umgekehrten Logik: ich fasse Sexismus unter dem gesellschaftlichen Phänomen (und Begriff) “Belästigung von Frauen” zusammen. Belästigung oder auf englisch “harrassement” kann man unterschiedlich auslegen und bedeutet je nach Definition z.B. “annoying or unpleasant behaviour towards someone that takes place regularly, for example threats, offensive remarks, or physical attacks” (Macmillan Dictionary) oder “to create an unpleasant or hostile situation for especially by uninvited and unwelcome verbal or physical conduct” (Webster Dictionary). Wenn es auch nicht in allen Fällen gewinnbringend und zielführend ist, verschiedene Formen von Belästigungen unter einem Terminus zusammenzufassen, so halte ich den Begriff dennoch für sehr adäquat um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen zu beschreiben. Dadurch erübrigt sich auch Ihre Annahme “dabei wollte sie doch eigentlich über Sexismus reden”, denn was ich wollte, ist über die gesellschaftliche Verankerung von Belästigung gegen Frauen auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Formen zu sprechen. Zudem ein kleiner Hinweis, selbst wenn sie von der umgekehrten Logik ausgegangen wären: Definitionen von bestimmten gesellschaftlichen Phänomenen gibt es wie Sand am Meer und man kann je nach Belieben eine davon auswählen, um seine Argumentationen zu stützen. Sie haben nun eine mögliche Form der Definition herangezogen, ihrem Interpretationsspielraum nach Sexismus nicht als Form von Belästigung eingeordnet (wenn man von der eigentlichen Logik ausgeht) und dann darauf geschlossen, ich, als Autorin, kenne die Definition und damit den Untersuchungsgegenstand nicht – das halte ich für etwas einseitig und verkürzt.

    “In der Welt Wiesböcks richten also viele Frauen ihren Alltag nach potentiellen Bedrohungen durch Männer aus.” Oft sind es kleine, eingespielte Handlungen wie z.B. einen Schlüssel oder eine Zigarette beim Nachhauseweg als mögliche Verteidigungswaffe bereit zu halten, den MP3 Player beim Gehen auf der Straße leise zu drehen oder so zu tun, als würde man telefonieren, nur an beleuchteten Parkplätzen zu parken und auf den Rücksitz zu schauen, bevor man aufsperrt, nicht in den Lift einzusteigen wenn sich darin nur ein Mann befindet, beim Fortgehen auf sein Getränk aufpassen etc. Ja, dazu gibt es einige internationale Studien, die ich Ihnen gerne zusende, wenn Sie daran Interesse haben.

    “Denkt Wiesböck etwa Männer ergriffen keine Maßnahmen um sich vor potentiellen Bedrohungen zu schützen?” Nein, das habe ich nicht behauptet und denke ich auch nicht. Zu sagen, eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe, erlebt dieses und jenes, impliziert nicht gleichzeitig, dass eine andere Gruppe dies nicht erlebt. Aber bei bestimmten Gruppen sind gesellschaftliche Praktiken stärker bzw. anders ausgeprägt als bei anderen. Darunter fallen auch Normen und Tabus von Handlungen gegenüber bestimmten Gruppen. Das zu negieren wäre ein Ignorieren von aussagekräftigen statistischen Fakten, an deren Relevanz Sie offensichtlich festhalten, da Sie diese u.a. auch berechtigterweise von mir einfordern.

    “Es ist fast schon unfreiwillig komisch wenn die Autorin sich in diesem Teil über das Abwehrverhalten vonseiten vieler Männer wundert, während sie selbst im gleichen Artikel weiter oben noch lustig drauflospauschaliert.” Ich bin sehr daran interessiert, auf welchen Absatz Sie sich hierbei beziehen – vielleicht können Sie das näher ausführen. Wenn wir gerade von Pauschalisierungen sprechen, hier ein Zitat von Ihnen selbst: “Dieselben Feminstinnen stellen sich jetzt hin und behaupten eine Zunahme der Belästigung aufgrund der Tatsache, daß “gendersensibel” gebaut würde.”

    Ich möchte an dieser Stelle gerne noch Folgendes hervorheben: gegen die Belästigung von Frauen zu sein bedeutet nicht gegen Männer zu sein, auch wenn das oft herausgelesen werden möchte. Es geht weder um banale Schuldzuweisungen noch um Pauschalisierungen. Im Gegenteil: es geht darum ein gesellschaftlichen Problem aufzuzeigen und infolgedessen eine Sensibilisierung zu diesem Thema hervorzurufen, auch und vor allem von jenen Personen, die vielleicht nicht direkt davon betroffen sind. Es ist ein Aufruf dazu, gemeinsam Belästigungen gegen Frauen weniger Raum zu geben. Dass “die Zentrierung auf Gewalt gegen Frauen selbst höchstgradig sexistisch ist”, wie Sie es schreiben, widerspricht der von Ihnen vorgeschlagenen Definition von Sexismus, denn die Diskussion ist überwiegend eine menschenrechtliche. Eigenverantwortung spielt natürlich eine große Rolle – wer würde dem widersprechen? Frauen sind genauso angesprochen und aufgerufen wie Männer, wenn es darum geht Belästigungen aufzuzeigen. Immer wieder werden aber auch klassische victim-blaming Praktiken angewandt, wie auch bei Ihnen im letzten Absatz angedeutet. Einen Diebstahl mit der gesellschaftlich (leider immer noch) verankerten Praxis von Belästigung gegenüber Frauen und dem weiblichen Körper gleichzusetzen, zeigt, dass ein tiefgreifendes Verständnis der Problematik in der öffentlichen Debatte noch stärker gefördert werden muss. Deshalb würde ich mich freuen, die Diskussion weiterzuführen! Wenn es Ihnen angenehmer ist, gerne auch anonym.

    Herzliche Grüße,
    Laura Wiesböck

    PS: Falls Sie, wie angedeutet, an der Qualität meiner wissenschaftlichen Arbeit interessiert sind, hier ein Auszug meiner Publikationen: http://tinyurl.com/cjdshu4 – die Artikel unterliegen wissenschaftlichen Kriterien und können danach beurteilt und kritisiert werden.
    PPS: Eine kurze Information“rethorisch” schreibt man korrekterweise “rhetorisch” (siehe Duden).

    • Clochard said

      Hallo Frau Wiesböck,
      haben Sie Dank für ihre Ausführungen, ich finde es sehr mutig von Ihnen hier zu antworten.

      Vorausgeschickt, die Anonymität ist für mich ein Schutz und ist leider notwendig geworden. Als ich bei einem anderen Anbieter noch unter meinem Echtnamen bloggte hat man (ich vermute dahinter Feministen wegen meiner vielen feminismuskritischen Beiträge) meinen Arbeitgeber recherchiert und dort mittels anonymer Anrufe deponiert ich wäre ein Kinderschänder und hätte Frauen geschlagen und vergewaltigt. Es kostete mich viel Kraft und Anstrengung das wieder auszubügeln. Deswegen jetzt lieber anonym.

      Ihr Kommentar verdient eine ausgiebige Beschäftigung damit und ich wollte sie nur wissen lassen, daß ich vorhabe näher darauf einzugehen und die Diskussion fortzusetzen. Dies aber aus Zeitgründen nicht jetzt sofort, schließlich muß ich ja auch meinen Lebensunterhalt verdienen.

    • Laura Wiesböcks Beitrag im „Standard“ hat noch andere Mängel, auf die ich auf http://www.freimann.at/aktuell.htm (7.2.) hingewiesen habe. Der „Standard“ war nicht mutig genug, dies abzudrucken.
      Auf dieStandard.at unter „Victory und Vagina statt Valentin“ (14.2.) fordert Grünen-Frauensprecherin Judith Schwentner (abermals) einheitliche Sanktionen gegen „Po-Grapschen“, die mit bis zu 2.000 Euro im Verwaltungsstrafrecht verankert werden sollten. Genau dies ist die Gesetzeslage nach dem Steirischen Sicherheitsgesetz, sodaß der Po-Grapscher von Graz keinesfalls ungeschoren davon kommen wird, wie Frau Wiesböck unterstellt.
      Ihre Sexismus-Definiton ist die feministische, wonach Sexismus nur gegen Frauen, nicht aber gegen Männer stattfinden könne. Hiebei wird eine „Klasse“ der Frauen einer angeblich privilegierten „Klasse“ der Männer gegenübergestellt, was ebenfalls weltfremd ist und nur dazu beiträgt, die tatsächliche Bruchlinie in der Gesellschaft zu verwischen (Vergleiche
      http://www.freimann.at/bruchlinie.htm). Die tatsächlichen gesetzlichen Diskriminierungen betreffen die Männer (Wehrpflicht, höhere Abschläge bei vorzeitigem Pensionsantritt, von Obsorgefragen einmal abgesehen).
      Selbst nach dem „Frauenbarometer“ wurden mehr Männer (57%) als Frauen (45%) Opfer von Gewalt („Die Presse“ 29.11.2012), was Feministinnen ebenfalls gerne ausblenden.

  2. Verantwortung? Ich bitte Dich, das wollen die verwöhnten Rosinenpickerinnen des feministischen Lagers doch gar nicht. Bei Twitter las man dazu „Ich will mich nicht wehren müssen!“ Das würden Männer, die immer noch den größten Teil der Opfer von Gewaltverbrechen darstellen, sicher auch gerne sagen. Wir sind aber realistisch genug, uns mit Pfefferspray & Co. zur Verteidigung auszustatten und uns so zu verhalten, dass wir nicht Opfer von entsprechenden Verbrechen werden, z.B. eben nicht in dunkle Gassen und nicht durch U-Bahnhöfe, wo importierte Cliquen von Intensivtätern regelmäßig andere ins Koma treten und ausrauben. Was #Aufschrei betrifft, so war das meiner Meinung nach von Anfang an eine pure Idiotinnen-Kampagne für den Unfug onebillionrising, der einmal mehr belegt haben dürfte, dass viele Frauen nicht einmal zählen können.

    Ich frage mich, warum die Medien nicht hinterfragt haben, dass Anne Wizorek ja rein zufällig Social Media-Beraterin und ihre Kollegin Nicole von Horst zufällig Autorin ist, die sicher locker mit 0815-Storytelling jede Menge vermeintlich echte Stories schreiben könnte. Der Großteil der Tweets und das, was man auf alltagssexismus.de nachlesen kann, ist allerdings oft genug weder Sexismus, noch sexuelle Belästigung noch sonst irgendwas von Relevanz. Bestenfalls feministisches Mimimi von verkorksten, männerhassenden Subjekten, die ihre primären und sekundären Geschlechtsmerkmale für den Mittelpunkt des Universums halten, obwohl sie nachhaltig mit dem Gesicht verhüten.

    Meines Erachtens hat die verlogene #Aufschrei-Kampagne erneut gezeit, dass man solche Feministinnen am besten ignoriert, Diskussionen sind mit denen eh nicht möglich. Was auch nicht bekannt ist: Die Feministinnen um Anne Wizorek und Nicole von Horst bei Twitter haben reihenweise wiederholt Stimmen kritischer Männer per Accountsperrung ausblenden lassen, obwohl keine Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen von Twitter vorlagen. In Foren von Männerrechtlern ist von drei- bis vierstelligen Sperrungen die Rede. Vielleicht sollte sich dazu auch mal Twitter äußern. Denn im deutschsprachigen Raum ist Twitter eher klein und bedeutungsblos, so dass ich nicht ausschließe, dass Twitter Teil der Kampagne war oder diese zumindest wohlwollend mit Suspendierungen und Sperrungen von Accounts bedient hat, damit dieser Dienst für verkrüppelte Kommunikation mehr Aufmerksamkeit bekommt.

  3. Bitte zweiten Link korrigieren:
    http://www.freimann.at/bruchlinie1.htm

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