maennergedanken

menschliches – kritisches – politisches

Warum ich auch mit dem konservativen, rechten Männerbild nichts anfangen kann

Posted by Clochard - 18. April 2012

Kürzlich hatte ich in einem Blogeintrag parallelen zwischen dem Feminismus und der Linken herausgearbeitet und damit auch das zeitgenössische Verfaßt-Sein der Linken kritisiert, insbesondere die Scheinheiligkeit sich als moralische Instanz zu gerieren, aber bei Machterlangung den moralisch-ethischen Anspruch schneller über Bord zu werfen als man das Wort „Diskriminierung“ aussprechen kann.

Bloggerkollege James.T.Kirk hat mich dann zurecht darauf hingewiesen, daß das ja bei politischen Parteien rechts der Mitte, insbesondere jenen die sich selbst einen christlichen Anstrich geben, ja auch nicht anders sei.

Zuersteinmal möchte ich beschreiben, was ich unter einem konservativen, rechten Männerbild verstehe.
Der Konservative scheint mit der einstmals bestehenden Rollenverteilung recht zufrieden zu sein, als der Mann vollerwerbstätig war und sich die Frau zu Hause um Haushalt und Kinder gekümmert hat. Er befürwortet einen starken kirchlichen Einfluss auch in einem laizistischen Staat. Für ihn ist es das unentrinnbare Männerschicksal die Verteidigung eines Landes (aber auch den Angriff) qua Geschlecht alleine inne zu haben, weil Frauen dafür zu schwach sind. Er sieht sehr oft und in vielen Bereichen Männer als das überlegene Geschlecht an (was sie in einigen Bereichen ja auch sind), läßt aber die notwendige Differenzierung außer acht, daß solche Betrachtungen eben nur im Schnitt gültig sind und für den Einzelfall beschränkte Aussagekraft haben. So wird z.B. gerne argumentiert, daß Männer das intelligentere Geschlecht sind ohne einerseits zu bedenken das aufgrund des breiten Verteilungsspektrums Männer eben auch qua Geschlecht zu den dümmsten Menschen gehören und andererseits die persönlichen Erfahrungen außer Acht gelassen werden (ich denke jeder hat schon mindestens einmal im Leben die Erfahrung gemacht, daß ihm eine Frau einfach in Punkto Intelligenz und Eloquenz voraus war). Für mich ist es hier wie da ein problematisches Verhalten, wenn man einer ganzen Gruppe in wertender Weise eine Eigenschaft zuweist und daraus Aggression, Konsequenzen und Vorteile für die eigenen Grupe reklamieren will. Das trifft so ziemlich genau die von mir in einem früheren Artikel besprochene Rassismusdefinition.
Da der Konservative sehr oft in archaisch-typischen Männerbildern denkt und handelt, sind aber auch oft andere Männer von seinem Männerbild betroffen, was die Vergangenheit beweist. Homosexuelle Männer, einfühlsame Männer, weiche Männer, feige Männer und noch viele mehr haben unter dem Konservativismus von ihren Geschlechtsgenossen ihr Fett abbekommen.

Der Konservative versucht auch das Stereotyp vom „starken Mann“ zu konservieren, weil er daraus einen Teil seiner männlichen Identität zieht. In meiner Artikelserie Der entbehrliche Mann bespreche ich genau dieses Problem und die damit verbundene gesellschaftliche und Selbstabwertung.

Mit viel von dem oben gesagten habe ich so meine Probleme z.B. was die Rollenbilder betrifft.
Ich bin der Auffassung, daß der Staat Rahmenbedingungen zu schaffen hat das jedes Pärchen sein präferiertes Rollenbild leben kann, ohne davon gravierende (gesetzliche) Nachteile zu haben, und da schließe ich das konservative Rollenbild mit ein.
Ich, mit einer libertären Auffassung bin der Meinung es geht weder den Staat noch den Rest der Gesellschaft etwas an, wie ich meine Paarbeziehung ausgestalte (immer unter der Prämisse sich im Rahmen der Gesetze bewegen d.h. eine pädophile oder inzestiöse Paarbeziehung ist demnach trotzdem zu unterbinden). Ich persönlich könnte mit einem konservativen Rollenbild nichts anfangen, denn ich sehe nicht ein für eine Frau lebenslänglich den Trottel zu spielen, während sie sich zu Hause einen Lenz macht.
Aber wenn andere so leben möchten, dann will ich ihnen das zugestehen, sie sollen so leben können wenn sie es so wollen.
Und das sind dann eben die Punkte, wo man in der libertären Mitte Druck von rechts wie von links bekommt.
Der Linke hätte gerne und möchte es allen anderen aufzwingen, daß die erwerbstätige Frau bundesweit Realität wird, die den Säugling am Besten direkt aus dem Kreissaal in die Kita gibt. Der Rechte dagegen hätte gerne und möchte es allen anderen aufzwingen, daß die Frauen lebenslänglich zu Hause bleiben und die Männer für ihren sorgenfreien Unterhalt zu rackern haben.

Beides möchte ich nicht, denn ich bin der Meinung der Staat hat sich aus den Lebensentwürfen der Menschen herauszuhalten. Siehe dazu auch meinen früheren Artikel. Mit libertären Ansichten steht man in Europa oft alleine da, weil der Liberalismus (und nein, nicht im wirtschaftlichen Sinne) auf unserem Kontinent nicht wirklich eine Geschichte hat. „Freiheit“ ist gerade nicht das Schlagwort, mit dem man Europas Geschichte lakonisch beschreiben kann, dann doch viel eher „Zwang“. Und in dieser Tradition scheinen wir auch heute noch zu verharren.

7 Antworten to “Warum ich auch mit dem konservativen, rechten Männerbild nichts anfangen kann”

  1. Der libertären Einstellung kann ich natürlich nur zustimmen. Ich möchte der Darstellung aber eine dynamische, wenn man so will interaktionistische Komponente hinzufügen. Dem „konservativen Mann“ nutzt es wenig, wenn er keine Frau findet (, so er denn eine Frau sucht, aber wir sind beim konservativen Mann und halten uns daher an das Stereotyp), dass er sich konservativ definiert. Nach meiner Erfahrung und nach allem, was ich in meinem Umfeld beobachte, ist eine Beziehung ein Aushandlungsprozess, an dem sich BEIDE beteiligen und eine Beziehung ist eine reziproke Veranstaltung, des Gebens und Nehmens. Anders formuliert: Um totalitärer Herrscher in der eigenen Beziehung zu sein, bedarf es eines unterwürfigen Gegenparts.

    Entsprechend dürfte es die hier vorgestellten Idealtypen von „konservativen Männern“ in der Wirklichkeit kaum geben. Es sind übrigens genau diese Idealtypen/Stereotypien von Männern, nunmehr als neuer Mann geformt, die Genderisten beschwören. Entsprechend regt sich bei mir ein tiefes Unwohlsein bei jeglichem Versuch, viele verschiedene Individuen unter ein kollektives Banner zu bringen.

    • Clochard said

      Hallo Michael,
      ich sehe auch den konservativen Mann an sich (also als Gruppe) nicht als totalitären „Herrscher“ in einer Beziehung. Ich meine damit vielmehr, daß von allen Seiten am Mann gezerrt wird und das kennzeichnendes Element für jedes Zerren von äußen herangetragene „Nützlichkeitserwägungen“ sind. Ich bin der festen Überzeugung ein Umdenken in der Gesellschaft und ein Erfolg der Männerrechtsbewegung kann nur dann Wirklichkeit werden, wenn man es schafft das Subjekt „Mann“ und dessen Wert/Bewertung vom Attribut „nützlich“ zu trennen. Beide Idealtypen/Stereotypien (wie du mE richtig feststellst), also die derzeit von links kommende, als auch die derzeit von rechts kommende appellieren und operieren immer noch unter der Prämisse, daß sich der Mann, sein Wert und sein Verhalten anhand der Nützlichkeit für andere entwickeln/rückentwickeln soll. Das ist es, was ich eigentlich kritisiere.

  2. Ich sehe es ähnlich wie Michael. Eine libertäre Grundhaltung ist sicher nicht verkehrt. Ob man sich dann noch als eher links oder rechts begreift ist doch wohl Nebensache. Grundlegendes muss für alle gelten. Der Rest ist subjektiv. Die Frage ist doch auch nicht, was „konservativ“ ist, die Frage könnte genauso lauten, was „links“ ist. Ich kann mich selbst als links-liberalen Freigeist bezeichnen. Spätestens wenn ich Vater werde, treten beispielsweise auch „konservative“ Motivlagen in mein Leben.

    • Hallo Terminatus,

      dann sind wir schon zu zweit!

      Ich frage mich schon seit Wochen, was es an einer Ungerechtigkeit ändert, ob sie von einem linken, rechten oder mittigen Opfer angeprangert wird. I fail to see the meaning of it! Und deshalb frage ich mich ebenso lange, welche Motive hinter dem „Richtungsstreit“ in der Männerbewegung stehen. Mit meinem economic head on, würde ich vermuten, dass manche Akteure ganz eigene „private Motive“ haben, die einen Nutzen dadurch bereitstellen, dass man z.B. das Adjektiv rechts oder links mit z.B. Männerbewegung verbindet. Während ich bei Parteien den entsprechenden Nutzen, z.B. auf der Grundlage der Parteienfinanzierung und in Millionenhöhe benennen kann, bin ich derzeit noch etwas ratlos, wenn es darum geht, den Nutzen des „linken“ oder „rechten“ Männerrechts eindeutig zu bestimmen. Aber kommt Zeit kommt Illumination, und bis dahin bleibt die Antwort auf die Frage „welche Form von rent seeking verdeckt der Streit um „rechte“ oder „linke“ Männerbewegung“, Gegenstand von Spekulation…

    • Clochard said

      @ beide :
      Ich denke der „Richtungsstreit“ liegt an der Tatsache, daß die Männerbewegung offenbar gerade dabei ist, denn entscheidenden Schritt in die öffentliche Wahrnehmung zu machen, und damit an einer entscheidenden Schwelle steht. Bis jetzt war es, und ich weiß ich verkürze da eigentlich unzulässigerweise, ziemlich egal, was die Männerrechtsbewegung gefordert hat, es hat keinen Menschen interessiert. Doch jetzt scheint es immer mehr Menschen zu geben, die sich fragen : Was wollen die eigentlich ?

      Natürlich wäre es vernünftig weiterhin an einem Strang zu ziehen, denn die unweigerliche Prämisse für alle Lager ist ja : Der politische Einfluss des Feminismus muss weg. Die Entscheidung darüber, was nachher kommt könnte man dann getrost demokratischen Prozessen überlassen, so man überzeugter Demokrat ist.

      Nicht alle Akteure handeln aber immer vernünftig, und manche wollen eben nur mitmachen, wenn am Ende genau das herauskommt, was man sich selbst davon verspricht. Insofern war für mich der derzeitige Konflikt vorhersehbar. Ich glaube eine Einigung kann nur dann gelingen wenn man sich wieder auf das Wesentliche konzentriert und ich vernehme immer mehr Stimmen, die genau in diese Richtung argumentieren.

      • Ich hoffe, Du hast Recht!
        Allerdings haben „Richtungsstreits“ in der Geschichte immer zu einer Schwächung von Gruppierungen geführt, so dass man aus dem „Richtungsstreit“ auch den Weg in die gesellschaftliche Belanglosigkeit ableiten könnte. Und ich fürchte, genau letzteres wird mit der Männerbewegung auch der Fall sein, denn auf die Frage, was „wollen die eigentlich“, gibt es derzeit eine Kakophonie von Antworten, die von der Anbiederung bei occupy bis zu rechten Dominanzphantasien reichen. Das ist keine Grundlage für eine erfolgreiche Bewegung. Das ist die Grundlage für eine gescheiterte Bewegung.

  3. Ich möchte mal eine versöhnliche, ganzheitliche Sichtweise zu Deinem Beitrag anfügen.

    Erst mal finde ich, daß das ja doch etwas simplifizierende Darstellungen von links und rechts sind. Du wirst bestimmt viele Linke und Rechte finden, auch in Parteien, die das so in dieser Schärfe nicht unterschreiben würden.

    Und hier kommt meine ganzheitliche Sichtweise ins Spiel. Ich bin der Meinung, daß die geschilderten und allgemein vorhandenen politischen Gegensätze langfristig auf ein Minimum schrumpfen und immer unwichtiger werden.

    Deshalb finde ich auch „unsere“ Links-Rechts-Debatte so überflüssig.

    Ich finde es fast schon regelrecht lustig, wie die linken Parteien in den vergangenen Jahrzehnten durchwegs bürgerlicher und ökonomischer geworden sind, die rechten hingegen das genaue Gegenteil: alternativer und sozialer.

    Das ist fast schon absurd, wie spiegelbildlich das ist. Und auch tiefenpsychologisch interessant. Unsere Gesellschaft wird erwachsener und alle begreifen, daß alle zusammengehören. Das Paranoide und Fundamentaloppositionelle vermindern sich in unseren Demokratien. Man bedenke mal, wie man früher auf das gegnerische Lager geschaut hat.

    Na ja. Das sind so meine persönlichen Gedanken. Ich denke immer sehr langfristig und immer mit dem Hintergrund, daß die gesellschaftliche Destruktivität immer weiter abnehmen wird, weil die psychische und körperliche Gewalt gegen Kinder auch immer weiter abnimmt. Diese Zusammenhänge wollen zwar die meisten Menschen immer noch nicht begreifen, wer aber die Augen öffnet, dem wird einiges in der Hinsicht auffallen.

    Ich muß allerdings noch sagen, daß mir die linken Parteien bezüglich Rollenbild wesentlich realistischer und mir näher erscheinen. Ich denke da nur an die Debatte um das Betreuungsgeld in Deutschland, was ja auch ökonomisch völliger Blödsinn ist. Aus meiner Sicht wird sich die Politik langfristig nach „links“ bewegen. Da werden wir nicht im Kommunismus landen, aber die Gesellschaft wird sozialer und ökologischer werden, weltweit. Ich frage mich manchmal, wie man das überhaupt bezweifeln kann. Oder wie man bezweifeln kann, daß es einmal keine Kriege, keinen Hunger und dergleichen mehr geben wird, kurzum, daß alles gut wird.

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