maennergedanken

menschliches – kritisches – politisches

Kann Umerziehung eine Staatsaufgabe sein ?

Posted by Clochard - 27. März 2012

Vor nicht allzulanger Zeit diskutierte ich in einem Forum über politische Themen, als mich die Aussage einer Userin und auch der hohe Grad an Zustimmung der anderen User ziemlich erschreckte.
Es ging um ein beliebiges politisches Thema, welches hier nichts weiter zur Sache tut, als ich auf eine bestimmte Aussage der Userin den Einwand erhob das es ja wohl kaum erlaubt wäre, daß sich der Staat anmaßen würde uns umzuerziehen.
In dem Moment als ich das schrieb dachte ich eigentlich nur, dass die Diskussion bzw. der strittige Punkt damit erledigt wären, da ich bis zu diesem Zeitpunkt – ohne es jemals hinterfragt zu haben – der Auffassung war, daß das Ablehnen staatlicher Umerziehungsversuche breiter gesellschaftlicher Konsens in einer westlichen Demokratie seien.
Tja, weit gefehlt.
In der Diskussion stand ich mit meiner Meinung so ziemlich alleine da, User jeder politischer Couleur entgegneten mir, daß die Umerziehung wohl gar einer der Hauptaufgaben des Staates sei.
Das brachte mich ins Grübeln.

Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, daß die Einteilung des politischen Spektrums in Links bis Rechts eigentlich zu wenig ist, um etwas auszusagen. Da fehlen ein bis zwei Dimensionen um Menschen genauer einzuordnen. Eine interssante Seite aus Amerika hat zumindest zwei Dimensionen aus dieser Einteilung gemacht :

Aus : Politischer Kompass

Obgleich der Selbsttest auf dieser Website für europäische Verhältnisse wenig aussagekräftig ist (die meisten Österreicher bis auf ein paar mit sehr extremen Ansichten landen im Quadranten links unten) gibt er doch sehr gut wieder, daß es für eine korrekte politische Einordnung von Menschen mehr als einer Dimension bedarf.
Nach Verständnis der Website gibt die x-Achse die wirtschaftliche Einstellung wieder. Nach dieser Denkart steht hier rechts für Neoliberalismus und Links für Kommunismus.
Anders sieht es bei der Y-Achse aus. Diese soll die beiden Extreme zwischen autoritär und liberal abdecken, was dann im Fall von autoritär mit dem Faschismus gleichgesetzt wird und im Fall von liberal mit Anarchismus. Im Prinzip geht es also bei dieser Achse um das Spannungsfeld wieviel zählt das Einzelindividuum vs. Kollektivismus.

Nach diesem kleinen Exkurs nun wieder zurück zum Thema.
Die Auffassung, daß Umerziehung eine Staatsaufgabe sei kann mE im oberen Diagramm nur im Bereich oberhalb der X-Achse verortet werden. Für die Rechten würde dann wohl die Law&Order Fraktion stehen und für die Linken alles zwischen Stalin und den Grünen.
Es bestürzt mich, daß wir uns offenbar bereits so weit weg befinden von Werten wie Freiheit, Einzelverantwortung und Abgrenzung gegenüber dem Staat (hier verstanden als Obrigkeit).
Ich denke speziell in Österreich hat die Obrigkeitshörigkeit eine besondere Tradition und die Auffassung, dass der Staat für uns da sein sollte, statt wir (als Volk) für ihn ist bei uns wenig verbreitet.

Leider habe ich auch wenig Hoffnung, daß sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern könnte. Einerseits ist es den Staaten im Zuge von 9/11 sehr gut gelungen weitere bürgerliche Freiheiten gegenüber dem Staat einzuschränken mit dem internationalen Terrorismus als Rute im Fenster. Andererseits verorte ich in Anlehnung an Ester Villar insbesondere bei europäischer Bürgern (natürlich mit extremen regionalen Schwankungen) eine „Lust an der Unfreiheit“. Man wurde hineingeboren in eine Umgebung, in der sich der Staat um Alles zu kümmern scheint, vergleichbar mit dem Geborgenheitsgefühl eines Kindes, welches im Idealfall erlebt hat, daß es immer von seinen Eltern aufgefangen wird, egal was es anstellt.
Doch genauso, wie es Eltern gibt, die dieser Pflicht nur ungenügend oder gar nicht nachkommen und es deshalb für ein Kind wichtig ist ab einem gewissen Alter immer selbstständiger zu werden und die eigenen Eltern zu hinterfragen und zu beurteilen, genauso wäre es wichtig, dass sich die Menschen besonders in Europa langsam aus ihrer jahrhundertelang gepflegten Kinderrolle emanzipieren und begreifen, daß Macht Kontrolle braucht und die traditionellen Eliten des Staatswesens zu beurteilen und zu hinterfragen sind.

Auch ein weiterer Gedanke spricht dagegen. Die Geschichte hat gezeigt, dass immer genau jene Gruppe am Lautesten für eine Einschränkung der staatlichen Einmischung eingetreten ist, die sich gerade in Opposition befand. Ein vortreffliches Beispiel liefern im Moment gerade die österreichischen Grünen ab, die noch in Opposition befindlich gerne am Lautesten nach Basisdemokratie und Bürgerbeteiligung gerufen haben, während sie jetzt – in Wien mit der SPÖ regierend – bei der Umsetzung des sog. Parkpickerls die mehrheitliche Ablehnung des Parkpickerls in einigen Bezirken geflissentlich ignorieren und über die Bevölkerung drüberfahren. Es scheint also eine Grundregel zu sein, dass auf dem Spektrum von Links bis Rechts jede Gruppe staatliche Allmacht genau dann ablehnt, wenn sie in Opposition ist, und genau dann befürwortet, wenn sie selbst an der Macht ist.
Offenbar wird gerne vergessen ,dass man in einer Demokratie selten immer selbst an der Macht ist, sondern auch manchmal der politische Mitbewerb.

Der Brückenschlag zu dem Hauptthema dieses Blogs darf an dieser Stelle natürlich auch nicht fehlen.
Eine der gewaltigsten Umerziehungsversuche, die im Moment europaweit ablaufen und in dieser Form in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen sucht ist Gender Mainstreaming.
In bester Tradition mit einerseits den schlimmsten Dystopien der Literaturgeschichte (1984, brave new world, et.al.) und anderseits den schlimmsten Regimen der Weltgeschichte (Stalin, Hitler) wird versucht von oben herab den neuen Menschen zu schaffen unter Negierung aller Fakten, Wünsche und Anliegen der Rechtsunterworfenen.
Gender Mainstreaming ist eine exzessive Grenzüberschreitung dessen, was wir in einer aufgeklärten Demokratie als zulässig ansehen würden und arbeitet mit den schmutzigsten Methoden, die man sich ausmalen kann.

Nicht nur deswegen sage ich : Erziehung kann und darf niemals Aufgabe des Staates sein. Bildung ja, weil Bildung an sich neutral ist und den Menschen nicht beeinflusst aber der Staat hat auch nicht im entferntesten das Recht den Bürger umerziehen zu wollen und wenn einem etwas an Demokratie, politischer Mitbestimmung und Freiheit liegt, dann sollte man auch entschieden dagegen auftreten oder sich andernfalls später nicht beschweren wenn der dann allmächtige Staat Maßnahmen und Umerziehungsanstrengungen durchführt, die einem selber nicht so sehr in den Kram passen.

4 Antworten to “Kann Umerziehung eine Staatsaufgabe sein ?”

  1. Ein sehr gelungener Artikel. Ich sehe es ähnlich. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell Menschen dazu neigen, Errungenschaften der Aufklärung über Bord zu werfen, sobald sie irgendeine Ungerechtigkeit auch nur erfühlt bekommen.

    Und diese Gefahr, so Leid es mir tut, sehe ich viel mehr bei Frauen, als bei Männern gegeben. Frauen haben viel weniger Vorbehalte, bei gefühlter Ungerechtigkeit, den Zwang durch den Staat für mündige Menschen zu fordern, als es bei Männern, meiner Erfahrung nach der Fall ist. Das ist bedauerlich und sollte uns zu denken geben.

    Ich möchte dennoch sicherlich nicht so weit gehen, wie der Maskulist es in seinem letzten Polemikon tat. Er schreibt darin:

    „Doch es ist viel, was vor uns liegt, und manches Mal fühlt es sich nach Enttäuschung an, wenn ich anzweifle, daß der Schlamassel, den wir der dümmsten Ideologie aller Epochen verdanken, sich überhaupt beheben ließe, bevor wir nicht den Mut aufgebracht haben, ein wahres Tabu zu brechen und uns zu fragen, ob nicht das Wahlrecht für Frauen der größte Fehler des westlichen Menschen und der Todesstoß seiner Kultur gewesen ist.“

    Quelle: http://www.maskulist.de/UEBERSICHT/Artikel-vom-17.03.2012/Lust-auf-Tabufragen

    • Clochard said

      Was in diesem Zusammenhang sehr gerne vergessen wird :
      Die Argumentation zur Abschaffung des Zensuswahlrechts im k.u.k. Reichstag war dergestalt, daß man der Auffassung war es könne nicht angehen, daß der männliche Staatsbürger sein Leben für den Staat auf dem Schlachtfeld riskiert, aber zu Hause nicht einmal wählen darf.
      Frauen bekamen das Wahlrecht für lau.

  2. […] Das ist ein zentraler Satz, den man als thematische Überschrift über die gesamte heutige Linksbewegung setzen könnte. Gleichheit ja, aber nur wenn das linkerseits Erwünschte dabei herauskommt. Demokratie ja, aber nur wenn sie linken Positionen nützt (vgl. auch Vassilakous diktatorische Maßnahmen bezüglich der Parkraumbewirtschaftung in Wien gegen den deklarierten Willen der Bevölkerung). Ja es kommt noch schlimmer. Im Bereich der Menschenrechte heißt es dann sogar universale, unteilbare Menschenrechte ja, aber nur für von Linken präferierte Gruppen (wozu der männliche, weiße Europäer nicht gehört). Ich hatte das in einem früheren Artikel schon einmal thematisiert : https://maennergedanken.wordpress.com/2012/03/27/kann-umerziehung-eine-staatsaufgabe-sein/ […]

  3. […] T. Kirk on “Ein Gleichheitsprinzip,…“Ein Gleichhei… on Kann Umerziehung eine Staatsau…Sonntägliche Kurzmel… on […]

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