maennergedanken

menschliches – kritisches – politisches

Das Ende des Begehrens

Posted by Clochard - 25. März 2012

Endlich lässt mir mein Beruf wieder genug Zeit für einen Blogeintrag.

Der Anstoss für den Artikel heute war zweierlei.

Einerseits ein Eintrag von Christian von vor ein paar Tagen und andererseits ein Artikel, der vor kurzem in der Presse erschien.

Aus Christians Artikel konnte ich so gar nichts an mir feststellen und fragte mich warum das so sei.
Ich zitiere (für alle die den obigen Link nicht angeklickt haben, das ist bereits der ganze Artikel):

Mal ein spontaner Frühlingsartikel:

Kaum wird das Wetter wieder schöner, fällt einem sofort auf, dass es viel mehr schöne Frauen auf der Straße gibt.

Faktisch bleibt vermutlich die Schönheit gleich, aber es sind viel mehr Attraktivitätsmerkmale sichtbar, nach denen man die Schönheit bewerten kann, was den Eindruck hervorruft.

Kurze Röcke und Tops mit Ausschnitt zeigen eben mehr als langer Wintermantel und dicke Pullover.

Notgeil! Objektifizierend! Könnte man dagegen einwenden.

Es ist denke ich etwas, was die meisten (heterosexuellen) Männer wahrnehmen und schön finden und nichts, für das man sich abwerten lassen sollte.

Es ist einfach schön, schöne Frauen zu sehen.

Ich muss sagen, bei mir funktioniert das nicht.
Die Ausschnitte und Tops lassen mich völlig kalt, die bemalten Gesichter, die die Haut ersticken rufen bei mir eher ein mitleidiges Lächeln hervor als Begehren, das infantile ungeschickte dahinstelzen auf künstlichen verlängerten Beinen (i.e. High Heels) wirkt auf mich seltsam grotesk, die Unmengen an Haut, die auch noch die letzte Frau sich bemüßigt fühlt in die Auslage zu stellen ruft bei mir zeitweise bereits Ekel hervor.
Ich meine, mal ernsthaft, was glaubt eine bestimmte Frau da draußen eigentlich wie einzigartig ihre Brüste sind ?? Immerhin hat die halbe Menschheit welche, da ist nichts einzigartiges oder besonderes dran, und hat man bereits eine erkleckliche Anzahl davon gesehen und gespürt, so kann man sogar unter Strickware versteckter weiblicher Oberweite treffsicher attestieren, wie sie sich in nacktem Zustand darstellt.
Und ständig ist man versucht dem nächsten aufgeblasenen weiblichen Ego welches einem begegnet und sich für Gottes Geschenk an die Männer hält zuzurufen :“ Laaaangweilig !“

Ein Artikel in der Presse gab mir jetzt eine mögliche Erklärung warum es in früheren Zeiten ein entblösstes Handgelenk sein konnte, welches Begehren erzeugte, während heute selbst die pure Nacktheit keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlockt.

Zitat aus dem Artikel in der Presse :

Das mit dem Begehren ist kompliziert geworden. Seit der Erfindung des Minirocks Mitte der Sechzigerjahre dürfen die Herren schauen, müssen aber so tun, als täten sie es nicht. Seither ist das diskrete Starren in der Welt, das Schauen ohne Erblicken. Damen mit Sportsgeist, also auch Madonna, arbeiteten eifrig gegen diese neue männliche Vorsicht an. Das anfangs provokante Zeigen von Haut wurde bald zum banalen Breitensport. Das Wacheln mit nackten Teilen wurde zur verkaufsfördernden Strategie in Wirtschaftszweigen auch weit abseits des ältesten Gewerbes. Das Kokette verlor sich leider.

Schon an die 30 Jahre preist Madonna ihre Musik auf balzende Manier, inszeniert ihren in Fitnessfolterkammern gestählten Body auf oft schmerzhaft ordinäre Art. Dass sie mit 53 Jahren noch auf demselben Schmäh wie anno 1985 herumreitet, macht müde.

All das Fleisch in der Auslage

Die aufmerksamkeitsheischenden Gesten der angeblichen Queen of Pop stecken im Mädchenfach fest. Ein Zustand, der schön langsam absurde Dimensionen annimmt. Würden an ihr Falten, Besenreiser und Lesebrille sichtbar, entzündeten sich die Synapsen wohl eher, als durch all dies inflationär in die Auslage gestellte Fleisch.

Rätselhaft, warum in einer Welt, in der Männer längst nicht mehr das Monopol der Initiative bei der Partnersuche haben, angebliche Alphaweibchen wie Madonna immer noch darin aufgehen, mit passiven Mitteln männliches Verlangen zu provozieren und dann mit viel Pathos die Zurückweisung zu zelebrieren. Diese antiquierte Fixierung auf den eigenen Körper, dieses Schönsein zum Zweck der Machtausübung ist leider immer noch im Zentrum von Madonnas visuellen Strategien.

Tja, die Gesetze der Marktwirtschaft scheinen auch hier zu gelten, zuviel Angebot ist nicht gut für die Nachfrage.
Trotzdem bleibt noch der Blick zu tun auf den Zusammenhang zum Hauptthema dieses Blogs :

Einen Bärendienst haben sich die Frauen hier selbst erwiesen. Um beim Vergleich mit der Marktwirtschaft zu bleiben, irgendwann kommt jedes Produkt in seinem Lebenszyklus an ein Ende, mit gutem Product Lifecycle Management lässt sich das ein wenig hinauszögern, aber irgendwann haben neue Technologien, Marktsättigung oder aus sonstigen Gründen entstandene mangelnde Nachfrage ihre Arbeit getan und man lässt das Produkt auslaufen.
Ebenso lässt es sich hier konstatieren. Die weiblichen Geheimnisse sind keine mehr, und Frauen selbst jammern bereits weinerlich, dass sie in der Konkurrenz mit Schönheitschirurgen, Supermagermodels und Photoshop keine Chance mehr haben.
Ein Supergau für den Feminismus. Feminimus ist Frauenbevorzugung und es gibt 2 tragende Säulen warum Männer das mit sich machen lassen.
Eine davon ist der männliche Sexualtrieb. Aber gerade dieser ist, durch die obigen Mechanismen am absteigenden Ast. Sex ist so verfügbar wie nie zuvor und durch die globalisierten Medien ist der weibliche Attraktivitätskonkurrenzkampf ebenfalls ein Globaler geworden, denn die einzelne Frau eigentlich nüchtern betrachtet nur verlieren kann.
Das männliche Gehirn ruft sich Photoshop nicht in Erinnerung wenn es die Hochglanzausgabe eines Frauenkörpers auf einem Titelbild mit dem Abklatsch vergleicht, der einem gegenübersitzt. Das Gehirn entwickelte sich lange bevor es Photoshop gab, daher ist eine diesbezügliche Schranke evolutionär nicht vorgesehen.
Jene Frauen, die die narzisstische Beschäftigung mit dem eigenen Körper zum Beruf gemacht haben (und sei es auch nur eine Handvoll verglichen mit der globalen Frauenpopulation) geben die Taktzahl vor, da sie, der Globalisierung sei Dank bis in das letzte usbekische Kinderzimmer vordringen.

Entledigt vom Sexualtrieb fällt es Männern viel leichter hinter die feministischen Mechanismen zu blicken, diese unselige Ideologie als das zu entlarven was sie ist, ungerechte und ungerechtfertigte Frauenbevorzugung. Und gleichzeitig seltsam wie traurig ist es, was von der Frau übrigbleibt, wenn der vorher vom Geschlechtstrieb vernebelte männliche Verstand die Frau einmal einer solchen Bewertung unterzieht, wie er es z.B. mit anderen Männern macht. Übrig bleibt ein traurig narzisstisches Wesen, dass die Beschäftigung mit dem Ich, dem eigenen Körper zum Kult erhoben hat. Exzessive Beschäftigung mit Mode, Kosmetik, Haaren und der eigneen Befindlichkeit lassen eben wenig Raum für die Entwicklung einer echten Persönlichkeit von anderen Dingen wie Erfindungsgeist, Forscherdrang oder sonstigem Allgemeinwissen mal ganz abgesehen.
Die Wirkung des nachlassenden Sexualtriebs lässt sich gut und gern mit der nachlassenden Wirkung des Aklohols vergleichen, die einem am nächsten Tage in schonungslosere Offenheit ins Stammbuch schreibt was man am Abend davor unter beachtlichem Alkoholeinfluss noch sooo attraktiv gefunden hat.
Nicht auszudenken, wenn nun auch noch die zweite Säule wegbröckeln würde, die Einimpfung von Schuld- und Pflichtgefühlen, die über Jahrtausende bei Männern aus Frauensicht sooo gut funktioniert hat.

Aber ich will hier mal nicht vorgreifen, sondern den Artikel mit den Worten schliessen, mit denen er begonnen hat :
Das Begehren ist am Ende.

5 Antworten to “Das Ende des Begehrens”

  1. Ich glaube nicht, dass der Sexualtrieb so abgeschwächt ist und beobachte das auch nicht bei anderen Männern. Unsere Anforderungen an den weiblichen Körper (und deren Anforderungen an unseren) mögen dank Hollywood und Photoshop gestiegen sein, aber zum einen machen eben auch genug Leute Sport und zum anderen sind wir gleichzeitig noch zu einer realistischen Betrachtung der Körper in der Lage, auch im Verhältnis zu unserem eigenen Körper

    Man sollte sich von solchen Betrachtungen die Lust aufeinander nicht verderben lassen. Schönheit ist nicht nur ein Machtmittel, es ist eben auch einfach etwas schönes. Man muss es nicht nur als Kampf sehen.
    Die meisten Frauen wollen einem ja nichts böses. Sie wollen auch nur einen Partner, der sie liebt.

    • Clochard said

      Ich glaube dir sogar, dass du das in deiner sozialen Umgebung nicht wahr nimmst. Ich behaupte jetzt einmal, natürlich ohne es untersucht zu haben oder beweisen zu können, dass PU Menschen eines ganz bestimmten Schlages anzieht. Dieser bestimmte Schlag könnte durch einen definierten Kanon an psychologischer / hormoneller Ausstattung gekennzeichnet sein, was ich deswegen für wahrscheinlich halte, weil es sich nicht mit meiner Beobachtung deckt, dass sich Männer, die die 18-20 Jahre überschritten haben noch sosehr auf Frauen fixieren. Irgendwann geht der Reiz verloren, spätestens dann wenn man realisiert hat, dass sich letztendlich doch immer nur – egal mit wem man da im Bett liegt – ein längliches Stück Fleisch in einem rundlichen Stück Fleisch hin und her bewegt.

      Meine Art des Begehrens hat sich, und ich muss sagen Gott sei Dank, im Lauf der Zeit geändert. Eine Frau kann mich heute durch ihr Aussehen nicht mehr beeindrucken, und da ist es völlig unerheblich von wem wir sprechen. Da muss sie schon andere Geschütze auffahren, über die aber nur wenige Frauen zu verfügen scheinen.

      Sehr lehrreich über die Aufgesetztheit der Schönheit war auch ein längerer beruflicher Aufenthalt in den englischen Midlands, einer Gegend in der sich Frauen tendenziell nicht so rausputzen. Die Frauen dort mögen aus mittel/südeuropäischer Sicht auf den ersten Blick burschikos wirken, aber sie öffnen den Blick für zweierlei: Erstens für das Faktum, dass eine Frau auch ohne die ganze Kriegsbemalung und das sonstige Affentheater sehr attraktiv sein kann und zweitens dass dieses Verhalten es erleichtert einen Blick auf die Person selbst zu werfen, ohne das man von einer Fassade davon abgelenkt wird.

      Und zu deinem letzten Absatz: Das ist mir natürlich bewusst. Allerdings, und soviel Egoist bin ich, reicht es mir nicht, dass mir eine Frau nichts Böses will, sondern stelle ich die berechtigte und bewusste Anforderung : Was kann sie mir Gutes tun ?
      Und natürlich wollen sie einen Partner der sie liebt, spannend wird es für mich jedoch dann, wenn ich versuche die Antwort auf die Fragen zu ergründen : Was genau hat sie investiert um zu jemandem zu werden, der einen Partner bekommen will, der einen liebt und wieviel Erfolg hatte sie dabei ? Was glaubt sie ist nötig um jemand zu sein, der langfristig einem Partner in einer Beziehung einen Mehrwert bringt außer der Tatsache, daß sie einfach anwesend ist ?

      Ich denke, der weibliche Anspruch an Männer ist in den letzten Jahrzehnten exponential angestiegen. Ich bin der Meinung die Männer im Allgemeinen hinken da noch hinterher und geben sich oft grosso modo mit Schönheit zufrieden.

  2. Tit4toe said

    ich kann dem Artikelverfasser nur zustimmen.

  3. Ich sehe das ähnlich, Clochard. Ungeachtet der sexuellen Vermarktung, hört man immer wieder, dass sich die durchschnittlichen Sexualkontakte von Paaren im Schnitt auf ein kurzes Intermezzo Freitag abends nach der Tagesschau – Zeit im Bild – beschränken.

    Führende Sexualwissenschafter sprechen gar von einer möglichen Zukunft in A-Sexualität.

    Ich jedenfalls kann dem Artikel einiges abgewinnen.

    • Clochard said

      Ja so ganz abwegig scheint die Zukunftsprognose nicht zu sein, wenn sich nicht gravierend etwas ändert.
      Bezeichnend finde ich die Wandlung in der feministischen Bewertung von Outfits im Berufsalltag. Die 70er und 80er Jahre Feministinnen waren noch strikt für einen verhüllenden Business-Dresscode, während sich die jüngere Generation ab den 90ern wieder vermehrt für eine sexuell-betonende Kleidung auch im Berufsalltag einsetzen.
      Mir scheint da hat eine Generation irgendwo dazwischen schlechte Erfahrungen damit gemacht, von Männern tatsächlich auch nur annähernd so behandelt zu werden wie Männer andere Männer behandeln und wollten dann doch nicht auf jene Bevorzugung verzichten, die sich daraus ergibt, dass bei vielen Männern die Unterwürfigkeitsmaschinerie im Gehirn in Gang gesetzt wird, wenn sie einen Minirock erblicken.

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